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Hochschule für Gestaltung Ulm – Von der Stunde Null bis 1968
Neue ständige Ausstellung im HfG-Archiv Ulm

Von der Stunde Null bis 1968

Fotos, von links nach rechts: unbekannt, Ernst Fesseler, Wolfgang Siol, Wolfgang Siol, Ernst Fesseler, Wolfgang Siol © Ulmer Museum, HfG-Archiv Ulm

Unter dem Titel »Hochschule für Gestaltung Ulm: Von der Stunde Null bis 1968« zeigt das HfG-Archiv, eine Abteilung des Ulmer Museums, ab 14. September eine neue ständige Ausstellung zur Geschichte der legendären Ausbildungsstätte. In der Zeit ihres Bestehens zwischen 1953 und 1968 entwickelte sich die HfG Ulm zu einer der einflussreichsten Hochschulen für Gestalter weltweit. In Ulm entstanden so ikonische Entwürfe wie der »Ulmer Hocker«, das Stapelgeschirr »TC 100« und die als »Schneewittchensarg« berühmt gewordene Radio-Phono-Kombination »SK 4« der Firma Braun. Das an der HfG entwickelte »ulmer modell«, ein auf Wissenschaft und Technik basierendes Konzept des Designs, setzt bis heute Maßstäbe.

Die Präsentation erstreckt sich auf rund 275 Quadratmeter und zeigt mehr als 200 Exponate und zahlreiche Fotografien aus den umfangreichen Beständen des HfG-Archivs Ulm. In dieser dichten Auswahl und in dem besonders ansprechenden Zusammenhang des historischen Hochschulgebäudes kann die Geschichte der HfG so nur in Ulm erfahren werden.

Für die Ausstellungsgestaltung zeichnen Ruedi Baur und sein Team vom Laboratoire Irb Paris verantwortlich. Ihrem Gestaltungskonzept liegt die Idee zugrunde, das Archiv erlebbar zu machen.

Die Ausstellung gliedert sich in drei große Themenbereiche. Die Stunde Null und die Jahre vor der Gründung der HfG werden schlaglichtartig beleuchtet. Das Kernstück der räumlichen Inszenierung bilden zwei große Regalstrukturen. Das eine Regal stellt die Geschichte der HfG in chronologischer Abfolge dar, gemeinsam mit den in diesen Jahren entstandenen Entwürfen, Modellen und Projekten. Das zweite Regal führt von A bis Z ausgewählte Begriffe und Themen vor, die ganz unterschiedliche Aspekte der HfG Ulm beleuchten helfen. Ergänzend werden die Gründer der HfG, Inge Aicher-Scholl, Otl Aicher und Max Bill, dem Besucher nahegebracht. Zwei große Tische sind für wechselnde Präsentationen vorgesehen. Zur Eröffnung verwandeln sie sich in eine große Zeitung und präsentieren die Presseberichterstattung über die HfG Ulm an prägnanten Beispielen.

Das HfG-Archiv ist seit 1993 eine Abteilung des Ulmer Museums. Mit der Unterstützung von HfG-Ehemaligen, darunter der club off ulm e.v., richtete die Stadt Ulm schon 1987 das HfG-Archiv ein. 2011 bezog das HfG-Archiv Räume im Gebäude der ehemaligen Hochschule für Gestaltung am Hochsträß. Nach einer Erweiterung der Ausstellungsfläche kann das HfG-Archiv ab Herbst 2013 die neue ständige Ausstellung zur Geschichte der HfG Ulm so umfangreich wie nie zuvor präsentieren.

Die Ausstellung wurde unterstützt von der Abteilung für Kultur und Medien der Bundesregierung, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und der Stadt Ulm.

 

Russische Avantgarde 1917-1933

Graphik und Plakate aus der Merrill C. Berman Collection, New York
im Studio HfG in Zusammenarbeit mit der vh ulm,
Am Hochsträß 8, 89081 Ulm
8. November 2015 bis 10. Januar 2016
Russische Avantgarde 1917-1933
Öffnungszeiten über die Feiertage

24.12., 25.12., 31.12. geschlossen
26.12., 1.1., 6.1.2016: geöffnet 11–17 Uhr

Mit seiner Sammlung avantgardistischer Grafik erkundete Merrill C. Berman seit den frühen 1970er Jahren Neuland. In einer Zeit, in der andere Sammler, Händler und Museen angewandte Grafik, wie Filmplakate, Buchumschläge, kommerzielle oder politische Werbung, nur wenig zu schätzen wussten, begann der Finanzanalyst von New York aus, eine eminente Sammlung zusammenzutragen. Sie war bereits in der Tate Modern, London; MNCARS, Madrid; MoMA, New York; National Gallery, Washington; Guggenheim Museum, New York; und IVAM, Valencia und mehrfach in der Fundación Juan March, Madrid, ausgestellt.

Für die Ausstellung im Studio HfG stellte Merrill C. Berman aus dem mehr als 20.000 Blatt umfassenden Bestand eine Auswahl von 80 Werken zusammen. Sie bietet einen repräsentativen Querschnitt der russischen Avantgarde-Grafik in seinem Besitz.
Die Präsentation entstand als gemeinsames Projekt anlässlich des Semesterschwerpunkts „Von Russland zur Sowjetunion zu Russland“ an der vh ulm. Seit der Sammler vor einigen Jahren die von Otl Aicher für die vh ulm entworfenen Plakate erwarb, besteht der Kontakt in die Donaustadt.

Neben Werken bislang nicht identifizierter Künstler, konnte Merrill C. Berman Werke aller wesentlichen russischen Avantgarde-Künstler erwerben. In Ulm sind Beispiele zu sehen von Aleksandr Dortmann (1906–?), Vasilii Nikolaevich Elkin (1897–1991), Elizaveta Ignatovich (1903–1983), Gustav Klutsis (1895–1938), Nikolai Kochergin (1897–1974), Ivan A. Malyutin (1889–1932), Vladimir Mayakovsky (1893–1930), Liubov' Sergeevna Popova (1889–1924), Mikhail Razulevich (1904–1993), Aleksandr Rodchenko (1891–1956), Elena V. Semenova (1898–1986), Nikolai Sidelnikov (1905–?), den Brüdern Vladimir (1899–1982) und Georgii A. Stenberg (1900–1933), Nikolai Ushin (1898–1942) und Konstantin Vialov (1900–1976).

Als einer der wichtigsten Künstler der russischen Avantgarde überhaupt ist Aleksandr Rodchenko gleich mit 17 Werken vertreten, ihm folgt Gustav Klutsis mit sieben Werken.

VChUTEMAS

Nach der Oktoberrevolution 1917 wurden die Kunstakademien und Kunstgewerbeschulen in Russland abgeschafft. An ihrer Stelle entwickelten sich ab 1920 in Moskau die VChUTEMAS. Das Kunstwort lässt sich ins Deutsche mit Höhere Künstlerisch-technische Werkstätten übersetzen. Dort konnten freie und angewandte Künste studiert werden. Es gab acht Fakultäten: Malerei, Skulptur, Architektur, Grafik, Textil, Keramik und Metall- und Holzbearbeitung.

Diese Schule wird oft als „russisches Bauhaus“ bezeichnet, um den neuen pädagogischen Ansatz zu charakterisieren. In der Anlage und Ausrichtung waren die VChUTEMAS wesentlich größer, mit an die 100 Professoren und mehr als 400 Studenten. Ein Dekret von 1918 eröffnete zudem den freien Zugang zum Hochschulstudium; infolgedessen entfiel die Aufnahmeprüfung.
Aleksandr Rodchenko unterrichtete in Moskau Grundlagen der Gestaltung und stand der Fakultät für Metallverarbeitung als Dekan vor. Der durch seine politischen Fotomontagen bekannte Gustav Klutsis wurde 1924 Leiter der VChUTEMAS.

Die an den VChUTEMAS und von anderen russischen Avantgardekünstlern entwickelte Formensprache war radikal neu und brach mit akademischen und gestalterischen Regeln, insbesondere jenen der Typografie. Am deutlichsten zeigt sich das in der Verwendung diagonal eingesetzter Schriften. Das konstruktivistische Layout, die Technik der Fotomontage, die unterschiedlichen typografische Experimente, all das sind Elemente, die den Sammler Merrill C. Berman reizen.

Vergleichbare Tendenzen finden sich europaweit. In den 1920er Jahren trug Jan Tschichold in Deutschland zur Erneuerung der Typographie bei. 1925 veröffentlichte er seine „Elementare Typographie“, auch angeregt durch einen Besuch am Bauhaus in Weimar. In der gleichen Zeit sind dort die Einflüsse der niederländischen DeStijl-Bewegung nachweisbar. Die Bezüge zwischen Bauhaus und VChUTEMAS sind noch direkter. Hannes Meyer, der dem Gründer Walter Gropius als Direktor des Bauhauses nachfolgte, versuchte einen Austausch zwischen den Schulen zu organisieren. 1929 besuchte eine kleine Gruppe von Bauhäuslern die Moskauer Schule.

Grundlagen

Ab 1925 wurde an den VChUTEMAS ein Grundlagenkurs eingeführt, der sich den Themen Farbe, Volumen, Fläche und Konstruktion widmete. Ein vergleichbarer Ansatz findet sich in der Grundlehre an der Hochschule für Gestaltung Ulm wieder, die sich in ihren Anfangsjahren vor allem am Bauhaus orientiert. Ehemalige Bauhaus-Lehrer wie Walter Peterhans, Josef Albers oder Helene Nonné-Schmidt haben in Ulm unterrichtet.
Es ist zuallererst die Grundhaltung der Schulen, die vergleichbar ist. Denn die VChUTEMAS orientieren sich bewusst an den Erfordernissen der Moderne und lösen sich von allen akademischen Traditionen der künstlerischen Ausbildung.

Öffentliche Führungen
Donnerstag, 10.12.2015, 07.01.2016, jeweils 18.30 Uhr
Sonntag, 29.11., 13.12.2015, 10.01.2016, jeweils 15 Uhr
Dauer ca. eine Stunde

Eintritt
4,50 € / 3,50 € ermäßigt